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Ethik des Essens

Eine Einführung in die Gastrosophie
 Buch
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ISBN-13:
9783050043012
Einband:
Buch
Seiten:
468
Autor:
Harald Lemke
Gewicht:
772 g
Format:
240x170x23 mm
Sprache:
Deutsch
Beschreibung:

Harald Lemke
Ethik des Essens - Eine Einführung in die Gastrosophie

Ein merkwürdiges Schweigen herrscht in der Gegenwartsphilosophie gegenüber dem Essen. Und dies, obwohl viele Zukunftsfragen und ethische Probleme unmittelbar mit den globalen Ernährungsverhältnissen zusammenhängen und deren erforderliche Lösung davon abhängt, wie "gut" wir uns ernähren.

Das Problem dieser Sprachlosigkeit wird im vorliegenden Buch erstmals in ihre theoretischen Hintergründe zurückverfolgt. Denn anders als heutzutage haben sich in der Vergangenheit viele Philosophen intensiv mit den moraltheoretischen Fragen eines guten Essens beschäftigt. Die theoriegeschichtliche Rekonstruktion dieses Ernährungsdiskurses zeigt auf, wie weit reichend und umfassend das tägliche Essen die menschliche Welt erzeugt.

Um die großen Zusammenhänge dieser in Vergessenheit geratenen Philosophie des Welt-Essens in den Blick zu bekommen, werden zwei Theoriestränge - der eines diätmoralischen und der eines gastrosophischen Denkens - herausgearbeitet. Während der diätmoralische Diskurs die menschliche 'Essistenz' zugunsten eines rein geistigen Glücks entwertet und die Moral einer vernunftlosen Ernährung lehrt, vergewissert sich das gastrosophische Denken mit der Ethik eines guten Essens der alltäglichen Möglichkeit einer vernünftigen Lebenspraxis.

Die programmatische Gegenüberstellung dieser unterschiedlichen Philosophien der Ernährung und ihrer jeweiligen Tugendlehren ist einem genuinen Ziel der praktischen Philosophie verpflichtet: Sie dient der kritisch-theoretischen Begründung einer besseren Praxis – nicht nur des Essens.

Aus dem Inhalt:

Entrée

I. HAUPTGANG: GENEALOGIE DER DIÄTMORAL

1. Das wilde Tier in uns

2. Das harte Brot stoischer Tugenden

3. Zur Heiligkeit des abendlichen Mahls

4. Zum Geständniszwang süßer Sünden

5. Kritik der rein diätmoralischen Vernunft

II. HAUPTGANG: GASTROSOPHISCHE VORDENKER

1. Der Entstehungsherd des gastrosophischen Denkens

2. Die Ursprünge der Naturheilkost

3. Wahrer Hedonismus

4. Der Mensch ist, was er isst

5. Delikater Geschmack

Zusätze: Ingredenzien einer Kritischen Theorie des guten Essens
99
1;Inhalt;6
2;Entrée;12
3;I. Hauptgang: Genealogie der Diätmoral;18
3.1;1. Das wilde Tier in uns oder Die klassische Diätmoral;20
3.1.1;Platons Verkennung der Kochkunst;21
3.1.2;Völlerei und Überfülle: ein falsch erfülltes Wohlleben;25
3.1.2.1;Das große Fressen;25
3.1.2.2;Gesundheitliche Schäden durch Fehlernährung und schlechtes Essen;28
3.1.2.3;Geburt des Krieges aus unersättlichem Welthunger;31
3.1.3;Aristotelische Tugendlehre der kulinarischen Mäßigkeit;33
3.1.3.1;Aristoteles Antivegetarismus;35
3.1.3.2;Theorie der Essstörungen;39
3.1.4;Das platonische Diätprogramm einer spartanischen Küche;42
3.1.4.1;Politische Regelungen des Symposienwesens und die Beispielhaftigkeit des Symposions;46
3.1.5;Rationalistische Anthropologie als Ursprung der Fast-Food-Mentalität;48
3.1.5.1;Das wilde Tier in uns;49
3.1.5.2;Nachgeschmack der klassischen philosophischen Diätetik;53
3.1.5.3;Organloses Denken und leibloser Geist;55
3.2;2. Das harte Brot stoischer Tugenden oder Senecas Attacke gegen die feine Küche;58
3.2.1;Volle Kochvorlesungen und leere Philosophenseminare;58
3.2.1.1;Die Geburt der feinen Küche und guten Kochkunst ;61
3.2.1.2;Eine Soße für alles;64
3.2.2;Lukullische Verhältnisse und ihre Folgeerscheinungen;67
3.2.2.1;Pflicht und Tugend der Unersättlichkeit als Syndrom der gesellschaftlichen Bulimie;74
3.2.3;Anorektische Mentalität der stoischen Selbstentsagung;76
3.2.3.1;Plutarchs Tischgespräch;80
3.3;3. Zur Heiligkeit des abendlichen Mahls oder Jesus essen;85
3.3.1;Das letzte Mahl des Herrn;87
3.3.2;Gastrotheologische Symbolik;90
3.3.2.1;Speisewunder;90
3.3.2.2;Brotrhetorik oder Jesus das Brot;95
3.3.2.3;Christologische Mystifizierung;98
3.3.2.4;Der Sinn der Tischrede;101
3.3.3;Mahlethische Kontextualisierung des letzten Mahls;106
3.3.3.1;Tempelreinigung und Substitution des Tieropfers;108
3.3.3.2;Hellenistisch-römische Tischgemeinschaften;110
3.3.3.3;Die folgenreiche Gabe geteilten Essens;112
3.3.3.4;Sättigende Speisen und Erinnerungen an den paradiesischen Genuss;114
3.3.3.5;Neue Tischsitten, vegetarische Speisegebote, Wohlfeiles vom Fleischmarkt;118
3.3.3.6;Jesus der Epikureer;121
3.3.3.7;Von der Charis zur Eucharistie, von der Küche zur Kirche;123
3.3.4;Die Korinther Mahlgemeinschaft und die paulinische Auflösung der Tafelrunde;125
3.3.4.1;Auflösung der Mahlgemeinschaft durch die Eucharistie;127
3.3.4.2;Historische Entwicklung;130
3.4;4. Zum Geständniszwang süßer Sünden oder Die augustinische Doppelmoral einer unreinen Genussgier;133
3.4.1;Unerwartete Einladung zu Fleisch- und Weingenuss;133
3.4.2;Großes Laster und höchstes Übel;137
3.4.2.1;Fasten und heilige Anorexie;140
3.4.3;Magere Zeiten und klösterliches Schlaraffenland;143
3.4.3.1;Bernhard von Clairvaux als Gastronomiekritiker;145
3.4.3.2;Küchenlatein und Carmina Burana;149
3.4.4;Süße Sünden Erbsünden;151
3.4.4.1;Das geständige Reden über das ständige Essen;153
3.4.4.2;Essen schlecht reden;156
3.4.4.3;Resümee;159
3.5;5. Kritik der rein diätmoralischen Vernunft oder Die Antinomie der Kantischen Ernährungsphilosophie;161
3.5.1;Kantianische Moralität als Diätmentalität;163
3.5.1.1;Metaphysische Grundlegung der reinen, vom Essen befreiten Vernunft;163
3.5.1.2;Diät-Pflichtlehre;166
3.5.1.3;Theoretische Grenzen einer rein diätmoralischen Vernunft;170
3.5.2;Kants Diätetik;172
3.5.2.1;Philosophische Begründung der diätetisch richtigen Ernährung;175
3.5.2.2;Hufelands Makrobiotik;178
3.5.2.3;Phantastische Tugendhaftigkeit und Mikrologie der Fischspeise;179
3.5.2.4;Medizinisch-diätetische Kritik der raffinierten Kochkunst;183
3.5.3;Streit um die Suppe;186
3.5.3.1;Diätetische Unvernunft der Küche Kants;190
3.5.3.2;Kritik der diätetischen Vernunft;195
3.5.4;Die Küche als Entstehungsherd der Geschmacksästhetik;205
3.5.4.1;Abbruch des Geschmacks der Zunge, des Gaumens und des Schlundes;206
3.5.4.2;Kants Versäumnis;208
3.5.4.3;Ästhetischer Begriff d
Ein merkwürdiges Schweigen herrscht in der Gegenwartsphilosophie gegenüber dem Essen. In der Vergangenheit hingegen haben sich viele Philosophen intensiv mit moraltheoretischen Fragen eines guten Essens beschäftigt. Die theoriegeschichtliche Rekonstruktion dieses Ernährungsdiskurses zeigt auf, wie weitreichend und umfassend das tägliche Essen die menschliche Welt erzeugt. Dabei werden zwei Theoriestränge herausgearbeitet: Während der diätmoralische Diskurs die menschliche Essistenz zugunsten eines rein geistigen Glücks entwertet und die Moral einer vernunftlosen Ernährung lehrt, vergewissert sich das gastrosophische Denken mit der Ethik eines guten Essens der alltäglichen Möglichkeit einer vernünftigen Lebenspraxis. Diese Gegenüberstellung ist einem wesentlichen Ziel praktischer Philosophie verpflichtet: Sie dient der kritisch-theoretischen Begründung einer besseren Praxis - nicht nur des Essens.